Ordnung in der Stamser Klangwelt: Der Archivar

Wie an Herrscher- und Adelshöfen, an Bischofs- und Pfarrkirchen standen auch in Klöstern die Musikalien meist unter der Obhut des Chorregenten. Nachdem Paluselli in Stams zum Stiftschorregenten ernannt worden war, begann er 1791 im Auftrag (sub auspiciis) Abt Sebastian Stöckls (reg. 1790-1819) das Registrum Musicalium Stamsensium zu verfassen.

Stefan Paluselli, "Registrum Musicalium Stamsensium", Stams 1791 [-nach 1800], Titel (Details), Autograph. Stift Stams, Musikarchiv

Etwa 900 Musiktitel sind in diesem Katalog (Format 34 x 21 cm, Umfang ca. 240 Seiten) aufgelistet, geistliche und weltliche Werke, wobei Stücke in Sammlungen nicht eigens ausgeworfen, damit zahlenmäßig nicht erfasst und längst nicht alle in Stams heute noch vorhandenen Werke aus Palusellis Zeit enthalten sind. Das Konzept des Katalogs ist für die Zeit um 1800 einzigartig und noch nach heutigen Inventarisierungsmaßstäben mustergültig.

Stefan Paluselli,
Registrum [...], Stams 1791,
Index generalis.
Register der Werkgattungen (nach praktischem Gebrauch),
jeweils einem bestimmten Buchstaben und Platz im Archiv zugeordnet.

Autograph.
Stift Stams, Musikarchiv

Stefan Paluselli,
Registrum [...], Stams 1791,
Index specialis.
Register der Stücke nach Textanfang und liturgischer Verwendbarkeit.

Autograph.
Stift Stams, Musikarchiv

Stefan Paluselli,
Registrum [...], Stams 1791,
Index Authorum.
Register der vertretenen Komponisten und ihrer vorhandenen Werke.

Autograph.
Stift Stams, Musikarchiv


Auf diese Weise war für dem aktuellen Gebrauch des Notenmaterials ein schneller Zugriff möglich. Ferner war durch die systematische Inventarisierung eines Großteils des Stamser Notenbestandes eine erste Maßnahme für eine Bestandserhaltung getroffen in einer Zeit, in der sich durch die politisch bedingten Veränderungen im Kloster ein merklicher Einschnitt in die bisherige Musikpraxis ankündigte.

Aus der Pionierleistung, die Paluselli mit der ungewöhnlich exakten Anlage seines 1791 begonnenen und bis nach 1800 weitergeführten Katalogs vorlegte, ziehen wir noch heute Nutzen: Wir können z.B. Werke, die darin verzeichnet, aber inzwischen in in Stams verloren gegangen sind, als dem einstigen Stamser Repertoire zugehörig erkennen, identifizieren (ein spektakulärer Fall dafür war die sog. Kindersinfonie Edmund Angerers, vgl. u.) oder bei Erstbelegen wenigstens als verschollen in Werkverzeichnisse von Komponisten erstmals aufnehmen.



Anhand einiger ausgewählter Seiten aus Palusellis Stamser Musikalienkatalog von 1791 wird nun eine Vorstellung von der bunten Stamser Klangwelt in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts vermittelt.

In ihr schienen Tirol und Europa eins zu sein: Werke von renommierten Komponisten aus etlichen europäischen Ländern erklangen ebenso wie Kompositionen einheimischer Tonkünstler.

Stefan Paluselli,
Registrum [...], Stams 1791, S. 1,
Missae solennes.
Festmessen von Johann Baptist Vanhal (1739-1813),
Franz Xaver Richter (1709-1789),
Pietro Pompeo Sales (1729-1797),
P. Nonnosus Madlseder OSB (1730-1797) aus Meran,
Chorregent im Kloster Andechs (Bayern),
Fabian Sebastian Lanzinger (1726-nach 1771) aus Meran,
einem Bruder des Stamser Zisterziensers P. Julius Marcellus Lanzinger.

Autograph.
Stift Stams, Musikarchiv

Nonnosus Madlseder, Missa solemnis, a-Moll: Kyrie (Anfang)
Registrum Nr. A 5*
CD Musik aus Stift Stams XVI
(C) & (P) Institut für Tiroler Musikforschung Innsbruck 1997
Time: 0:35

Missae minus solennes

Missae Pastoritiae

Offertoria

 

Synphoniae

Quadro

 
 

Saturnalia

Saturnalia