Katharina Ziermann

Innsbruck

Welche sind Ihre 3 liebsten Volkslieder?
1- Gscheit sein, beinanda bleibn!
2- Innsbruck, ich muss dich lassen
3- Zwoa Brettl"n , a gfüriga Schnee

Was ist für Sie ein Volkslied?
Ein Volkslied ist für mich ein Lied, das einen Inhalt (Text/Melodie) über Generationen tradiert und dabei etwas vom Volkscharakter der jeweiligen Kultur, dem jeweiligen Ambiente seiner Entstehung spiegelt, d.h. mit dem sich eine kulturell geprägte Gruppe einverstanden, angesprochen, angerührt oder sogar vertraut findet. Wenn diese Gruppe dann z.B. findet: "Des isch eppas insriges" dann ist das ein Volkslied.

Können Sie uns von einem besonderen Erlebnis im Zusammenhang mit Volksliedern berichten?
Gleich nach Ende des Zweiten Weltkrieges zogen in Oberösterreich (wo ich als kleines Mädchen wohnte) Sänger von Vierkanthof zu Vierkanthof, die vorsangen und um ein Ei, ein Stückchen Brot oder einen Schluck Milch baten.

Einmal kamen zwei Sänger aus dem Zillertal sie sahen sehr müde und abgefetzt, alt und hungrig aus, aber sie sangen ein für mich überaus schönes, prächtiges Lied über das Zillertal und das Bergsteigen, die sonnigen Felsen usw. Dabei glänzten ihre Augen und sie schienen wieder fröhlich zu werden. Ich war noch nie auf einem hohen Felsen gewesen und war sehr beeindruckt von diesem Gesang und der Dialekt gefiel mir auch.

Ich habe ihnen mein ganzes Abendessen geschenkt: einen Teller Milchbrei mit einer Schnitte Reindling, vier Walnüssen und ein Heferl Buttermilch. Als ich den zweiten Teller Milchbrei und die zweite Reindlingschnitte holte, lobte mich unsere Magd noch für meinen guten Appetit, der sonst nicht so ausgeprägt war. Als ich das zweite Heferl Buttermilch holte, kam sie hinter mir her. Meine Sänger wollten gleich das Weite suchen, aber ich ließ sie nicht. Ich sagte, für diese Buttermilch müssten sie mir das Lied noch einmal vorsingen was sie auch machten.

Es begann so: "Wir sind die Fürschten dieser Welt und sonnige Höh ". Da wurde unsere Magd sehr zornig und sagte: "Schöne Fürsten! Fetzen-Fürsten!" und: " dass du mir nie mehr allein vor die Haustür gehst in dieser Zeit!"

Und dann musste ich in der Küche das Reindl vom Milchbrei ausschlecken ( das hat sonst immer sie gemacht) und noch einen Reindling essen. Das Lied habe ich nie mehr gehört. Wie schade! Aber ich höre noch die tiefen Männerstimmen diese ersten Worte singen: "Wir sind die Fürschten dieser Welt "