Hubert Auer

Telfs

Welche sind Ihre 3 liebsten Volkslieder?
1- Wann d"willst auf d"Hahnpfalz giahn
2- Der Summer is aus
3- Iatz fangen miar zum Singen an

Was ist für Sie ein Volkslied?
Was ist Volk? Wer ist Volk? Ich könnte mit Leichtigkeit 100 Lieder aufzählen, die meiner Meinung nach Volksliedlen sind, aber was sie Gemeinsames haben, was sie zum Volkslied macht, kann ich nicht definieren ...

Eine Definition für "Volkslied" ist zu subjektiv. Die Lieder, die meiner Vorstellung nach am nächsten kommen, wurden von Norbert Wallner erfunden. Er hat für mich den Volkston großartig getroffen (Es tuat schon herbstelen, Der Mond is a Schiffal, Das ist die stillste Zeit im Jahr, Oh Mensch du musst sterben u.a.)

Können Sie uns von einem besonderen Erlebnis im Zusammenhang mit Volksliedern berichten?
Als ein besonderes Erlebnis kommt mir eine vor fast 40 Jahren selbst erlebte Situation in Erinnerung. Da habe ich berührend erlebt, wie ein Liedl auf das Gemüt wirken kann.

Fiedlers Herrmann war "bei der Strass" ein alter, pflichtgetreuer Lastwagenfahrer im Landesdienst und tagsüber ein ruhiger Mensch. Er hatte, so wurde gemunkelt, eine heimliche aber heftige Vorliebe. Er galt im Dorf als passionierter Wildschütz, allerdings sprach er nie darüber.

Nach Feierabend kehrte er gelegentlich beim Café Schaller ein. Je mehr Bier er intus hatte, desto lauter und rechthaberischer wurde er das ist ja keine Einzelerscheinung und Schnaps verstärkte diese Eigenschaft.

Wir Jungen saßen nach dem Fußballtraining auch gern im Lokal. Eines Abends war am Nachbartisch der Hermann wieder gut in Glut. Seine Stimme übertönte alles, sie überschlug sich, er hämmerte mit der Faust auf den Tisch, dass die Gläser tanzten und niemand anderer kam zu Wort. Der Lärm wurde immer unerträglicher.

Da sagte der Werner M., einer aus unserer Runde: "Söll i enk zoaga, wia man den Hermann mäuslastill mocha kann?"
Alle bezweifelten, dass dies irgendjemandem gelingen könnte. Der Werner hieß uns ruhig zu sein, nicht auffällig zum Hermann hinüberzuschauen und ja nicht zu lachen. Dann begann er zu singen:

"Er war ein Schütz, in seinen besten Ja-haren,
der Wildschütz Jennewein, vom Peißenberg.
Man fand ihn erst am neunten Tage,
er wurde weggeputzt von dieser Erd."

Und das Unglaubliche geschah! Hermann wurde unvermittelt still, die Bewegungen froren ein, sein Kopf drehte sich horchend zur Seite.

"Auf hartem Fels hat er sein Blut vergossen,
am Bauche liegend fand man ihn,
von hinten war er angeschossen,
zersplittert war sein Unterkinn."

Hermann sank zurück in die Stuhllehne, entspannte sich. Der Werner, der Mitglied im Theaterverein war, sang textsicher Strophe um Strophe. Nach der zweiten, dritten Strophe probierte jemand leise eine zweite Stimme dazu, und auch andere summten die einfache Melodie mit. Des Hermanns Augen wurden feucht und bald kullerten über seine faltigen Wangen dicke Tränen, die er mit dem Ärmel wegzuwischen versuchte.
Auch nach dem Lied blieb er wie ausgewechselt. Vergessen waren "die Dummheit der Vorgesetzten, die Unfähigkeit des Gemeinderates, die Schwäche der Regierung" und alle Gesprächsthemen, die ihn vorher so maßlos aufgeregt hatten.